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Erlebnisberichte

von tabea/erlebnisberichte 

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Brasilien, Juquitiba

Ich bin erst ein paar Tage hier auf dem Land und habe Blasen an den Händen. Meine Hände sind die harte Arbeit nicht gewohnt. Wir graben die Erde um und lockern diese, um Salat, Erdnüsse, Mais, Kürbis, Gurken und Mandjoka (ähnlich wie Kartoffel nur besser) anzupflanzen. Mit Pickel, Hacke und Schaufel. Vormittags 2 Stunden und nachmittags 2 Stunden - aber noch mehr zum Tagesablauf auf der Fazenda erkläre ich Euch hier:

7 Uhr levantar (Aufstehen)
Geweckt wird man hier durch ein furchtbares Blechgeräusch, aber ich merk oft schon keinen Unterschied mehr zwischen dem normalen Krach und dem Weckzeichen - und so überhör ich das sehr oft.
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7.30 Uhr o café de manhã
Gemeinsames Frühstück besteht immer aus Kaffee mit Milch und viel Zucker und einem mit salziger Margarine bestrichenem Brötchen.
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8.00 Uhr trabalho (Arbeitszeit)
In unterschiedlichen Bereichen gibt es einige Mitarbeiter, die  hauptverantwortlich sind, z.B. für die Vorratskammer oder für den Wasservorrat aus den Quellen ringsum. Andere sind für das Essen eingeteilt, andere wieder für die Arbeit am Gemüseacker oder im Obstgarten, bei den Tieren oder im Haus und um das Haus herum. Alles wird selber gemacht, repariert, renoviert, geputzt und gebaut.
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10.30 Uhr culto (heißt so viel wie Gottesdienst)
Am Anfang betet jeder für sich ca. 20 bis 30 Minuten lang, dann wird mit der Lobpreisband zusammen gesungen und danach in der Bibel gelesen und gelernt, durch die Predigt die einer der Mitarbeiter hält.
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12.00 Uhr almogo (Mittagessen)
Das besteht immer aus Reis und Bohnen und etwas Besonderem aus dem eigenen Gemüsegarten und entweder etwas Fleisch oder Fisch.
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14.00 Uhr estudo (heißt so viel wie die Bibel lesen und studieren)
Jeder Neuankömmling muss ein Heft mit 9 Lektionen durcharbeiten und hat jeweils einen Bibelvers auswendig zu lernen. Und dann, wenn das Heft durchgearbeitet ist, wird mit dem Johannesevangelium angefangen und dem Mitarbeiter täglich erzählt, was gelesen und verstanden bzw. was nicht verstanden wurde. Aber das alles steht nicht unter Zeitdruck - nicht, dass es als Konkurrenzkampf erscheint, jeder bekommt seine Zeit, die er braucht.
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14.30 Uhr livro (Buch)
Jeder soll sich hinter ein Buch klemmen und etwas lesen, um lesen zu üben und das Gedächtnis und die Allgemeinbildung zu trainieren. Denn hier in Brasilien ist die Ausbildung nicht so intensiv und nicht ausreichend.
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15.00 Uhr trabalho
Wieder zwei Stunden Arbeit, meist wird die selbe Arbeit vom Vormittag zu Ende oder weitergemacht, je nachdem wie und was geht.
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17.00 Uhr lanche
...ist hier ein kurzer Schnellimbiss mit entweder Kaffee oder Kakao und einem Kuchen oder weichem Brötchen mit salziger Margarine und/oder Mayonnaise.

banho
...heißt duschen und das ist hier sehr wichtig. Die Leute duschen meistens 2 mal täglich. Hygiene ist den Brasilianern sehr wichtig.
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18.30 Uhr oraçao (Gebet)
Jeder sucht sich ein ruhiges Plätzchen und redet/betet mit Gott unserem Vater über was auch immer ansteht. Gott ist der uns Leben bis in die Ewigkeit schenkt und viele müssen leider noch daran erinnert werden, dass er auch ein Recht auf Mitteilung hat. Er möchte doch teilhaben an unserem Leben. Und so sollen sich alle Mitbewohner zwischen 20 und 30 Minuten Zeit nehmen, um mit ihm zu reden. Das ist für uns alle ein Vorrecht, persönlich Kontakt zu Gott zu haben.
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19.00 Uhr jantor
Abendessen wieder mit Reis und Bohnen (wer hätte das gedacht?). Aber es kommt immer noch was dazu, was den Köchen eben so einfällt.
So wie vor dem Essen zwei eingeteilt sind zum Kochen, so sind auch nach den Mahlzeiten immer zwei eingeteilt abzuwaschen (auf brasilianisch: erst alles zuschäumen und dann unter kaltem Wasser alles abspülen) und die Tische und den Boden zu säubern.
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19.30 Uhr noticario afazeres pessoais
...das heißt, dass jeder für sich Zeit nehmen kann, um persönliche Notizen zu machen, über Erlebtes und eventuell neu Erkanntes.

Meistens ist die Zeit bis zum Schlafen gehen auch ausgefüllt mit gemeinsamen Spielen, sich Unterhalten, Musizieren oder was jeder noch für sich machen möchte.
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21.45 Uhr reponso
Das ist die Zeit für's zur Ruhe gehen, um für den nächsten Tag wieder genügend Kraft zu haben.


Am Sabato (Samstag) ist das Programm etwas lockerer gestrickt. Nachdem alle anstehenden Arbeiten getan sind, haben die Bewohner freie Zeit um Besuche oder Erledigungen zu machen, oder Besuche und Anrufe zu empfangen.

Ich hatte das Vergnügen an einem alle 2 Monate stattfindenden Waschtag teilnehmen zu können. Alle liegengebliebene Wäsche, sogenannte herrenlose Wäsche, und eigene Wäsche wird aufgeteilt. Wer etwas braucht, bekommt dann von der übrig gebliebenen Wäsche etwas ab.
Aber das Waschen findet im See mit Öko-Seife statt. Und meistens artet die Wäscherei in eine große Wasserschlacht aus, so dass jeder danach gewaschen ist.

Am Sonntag (Domingo) fängt der Tag erst um 8.00 Uhr an, um 8.30 Uhr gibt es Frühstück und um 9.00 Uhr Gottesdienst mit allen zusammen: mit den Leuten von der Fazenda, den Erwachsenen und den Kindern vom Kinderhaus. Alle zusammen haben wir Gottesdienst in der Kapelle, die früher mal ein Pferdestall war, aber renoviert wurde, so dass jeden Tag darin Gottesdienst stattfinden kann.

Ausnahmen des Tagesablaufs gibt es unter der Woche nur, wenn Feiertag ist, oder immer am 3. und 5. Tag in der Woche. Denn da wird anstatt der Arbeit Fußball gespielt - das darf ja bei den Brasilianern nicht fehlen - das ist wichtig!

Warum so ein strikter Tagesablauf?
> Um den Überblick zu bewahren, alles erledigt zu haben und
> damit Ordnung herrscht und die Leute, die von der Straße kommen Ordnungen und Vorschriften zu beachten lernen. Und vor allem damit die Leute Gott, unseren Vater, kennen lernen und seine Liebe, Gnade und grenzenlose Vergebung erleben. Allein er kann einen Menschen so verändern, dass er in Frieden, Gemeinschaft und Verantwortung leben möchte.

Nicht Regeln und Vorschriften können einen zwingen, sich zu ändern, allein die Liebe Gottes ist zu allem fähig. Nur muss man sie annehmen können und sie in sich wirken lassen können. So schenkt sie Veränderung zum Besseren. So steht's auch in Titus 2 und folgende:

Denn in der Person Jesu Christi ist jetzt Gottes Barmherzigkeit sichtbar geworden, mit der er alle retten will. Sie bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit, allem selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür aber besonnen und rechtschaffen leben, so wie Gott es gefällt.

Liebe Grüße
Eure

Tabea