.__> 

Erlebnisberichte

von tabea/erlebnisberichte 

o 03. Oktober 2001 (Newsletter)
o 07. Oktober 2001 (Bericht)
o 08. Oktober 2001 (Bericht)
o 10. Oktober 2001 (Bericht)
o 15. Oktober 2001 (Bericht)
o 22. Oktober 2001 (Bericht)
o 26. Oktober 2001 (Bericht)
> 04. November 2001 (Bericht)
o 06. Dezember 2001 (Bericht)
o 19. Dezember 2001 (Newsletter)
o 29. Dezember 2001 (Bericht)

Brasilien, Juquitiba - Kinderhaus

Die letzten zwei Wochen war ich nun im Kinderhaus in Juquitiba, wo man mich braucht, um vor allem den Kindern und Teenagern von der Straße eine Freundin zu sein. Das Kinderhaus der Fazenda Nova Aurora wurde erst vor kurzem gebaut. Im Mai 1999 wurde der Grundstein gelegt und Februar 2000 von der Kindern bezogen.

Die Mitarbeiter, die sich "Gott sei Dank" gefunden haben sind seit Juli '99 mit auf der Fazenda. Die Erzieherin Magie, eine gebürtige Brasilianerin, ist nach 10 Jahren Beruf eingestiegen um jetzt 100%ig nur für Gottes Auftrag zu arbeiten. Auch das Ehepaar Valdete und Jota mit ihren Kindern Daniela (erst sein 1 1/2 Jahren bei der Familie) und Paulinho sind mit im Haus und rund um die Uhr für die Kinder da.

Im Haus sind im Moment 5 Kinder, aber nächstes Jahr sollen und dürfen es 16 Kinder werden (wir beten dafür, dass so viele diesen Weg gehen wollen). Derzeit sind 4 Meninos (Burschen) und eine Menina da. Täglich kommen immer mehr Kinder auf die Straße und haben kein zuhause mehr. Sie brauchen Crack, schnüffeln Kleb (Cola de Sapateiro). Sie stehlen und klauen, um immer mehr Geld für ihrem Stoff zu bekommen. Sie nehmen Drogen, um alles was sie erleben und erlebt haben und ertragen müssen zu vergessen - um in eine eigene Fantasiewelt einzutauchen. Sie schlagen sich durch die Straßen und kämpfen um ihr Leben. Die Kinder kommen direkt vom Jugendamt oder durch die Arbeit der CENA im Stadtzentrum von Sao Paulo zu uns hier ins Kinder- und Familienhaus.

Die Kinder bekommen hier Unterkunft, zu essen, und zum Teil Unterricht in Schreiben, Lesen, Rechnen, Geografie und Geschichte. Aber das ist noch lange nicht alles, was sie bekommen. Sie sind hier aufgehoben, wie in einer Familie, haben Ansprechpartner und bekommen Liebe und Aufmerksamkeit. Eines der fünf Kinder geht derzeit auch zur Schule in die Stadt Juquitiba. Die anderen sind noch nicht lang genug da (sie sollten mindestens 6 Monate hier gewohnt haben) und man muss sich ziemlich sicher sein, dass sie nicht wieder stehlen und anfangen Drogen zu nehmen, dann können sie auch zur Schule gehen.

Morgens wird immer gemeinsam gefrühstückt mit Kakao, Tee, Kaffee, Brötchen und selbstgemachtem Brot - und morgens schon Mayonnaise, die der Mission geschenkt wurde.
Danach macht jeder seinen Bereich vom Haus sauber. Die Kinder helfen mit, auch bei der Arbeit, auch wenn sie wenig Lust dazu haben, aber die Arbeit ist auch nicht schwer. Ihnen wird auch im Wort Gottes gezeigt, dass es wichtig ist, zu helfen, denn jeder der nicht mithelfen will, brauch nicht zu essen (das ist ist allerdings noch nie vorgekommen). So ähnlich steht es auch in 2 Thessalonicher: Schon damals haben wir euch eindringlich aufgefordert, nach dem Grundsatz zu leben: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.
Es ist nicht falsch zu verstehen und mit Kinderarbeit zu vergleichen, auf gar keinen Fall, aber die Kinder sollen lernen Verantwortung und Gemeinschaft zu leben und es wird wirklich nicht zu viel verlangt, mitzuhelfen, so dass alle schnell fertig sind - auch bei der Essenszubereitung und mit dem Aufräumen danach.

Vormittags wird nach getaner Arbeit entweder gelernt, gebastelt, gebacken oder gemeinsam gekocht. Nach dem Mittagessen besteht auch die Möglichkeit, am See angeln zu gehen, oder zu schwimmen, Fußball zu spielen, Drachen steigen zu lassen, seine eigenen Sachen in Ordnung zu bringen, oder auch mal den Erwachsenen bei ihrer Arbeit zu helfen.
Am Abend wird oft gemeinsam gesungen, von Gott gelehrt und gelernt, in der Bibel gelesen und darüber geredet und gemeinsam gebetet.

Wenn ein Problem auftaucht und es Streit gibt wird das noch besprochen, geklärt und geschlichtet, und vor dem zu Bett gehen aus der Welt geschafft, damit die Kinder gut schlafen können.
Mit den Größeren wird auch über die Dinge, die in der Welt passieren geredet und diskutiert, wie es in einer Familie eben ist. Über alles wird sich ausgetauscht, so zum Beispiel über die Vergiftung mit Bakterien, was für uns alle unvorstellbar ist, dass Menschen zu so grausamen Unheil im Stande sind. Und Menschen werden zu solch gewissenlosen Personen, wenn sie nur das Böse in sich tragen und nichts von Gott und seinem Frieden wissen wollen.

Die Kinder unserer Zeit sind sehr oft schon jung ohne Hoffnung, finden keinen Sinn im Leben, dröhnen sich mit allen möglichen Drogen zu, wie Crack oder Kleb und beschäftigen sich nur noch mit Weggehen, Alkohol, Fernsehen und Computerspielen. Das alles um nicht nachzudenken, wie es weitergehen soll, was passiert, wo sie sind, was noch alles auf sie zukommen kann. Sie sehen auch wie sich unsere Welt immer mehr dem Bösen zuwendet, sich kaputtschießt und Menschen rücksichtslos andere umbringen.

Aber das ist kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und sich gehen zu lassen, sondern gerade jetzt erst recht sollen wir treu und stark sein, uns gegenseitig ermutigen, und darauf hoffen, dass immer mehr sich auf Jesus einlassen und sich ganz auf ihn stützen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Es liegen mir diese Kinder aus Sao Paulo sehr am Herzen, aber auch besonders unsere Kinder ringsum in den Familien, Verwandtschaften, Kindergärten und Schulen. Und deswegen möchte hier mit Hebräer 10, 39 ermutigen: Doch wir gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verlorengehen. Wir gehören zu denen, die am Glauben festhalten und das ewige Leben gewinnen.

Liebe Grüße,
Eure

Tabea